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Neuordnung der Welt
Acrylfarbe und Filzstift auf Papier
42 × 56 cm
Unikat
Neuordnung der Welt zeigt eine Welt in Bewegung. Unzählige kleine Kreise stehen für Menschen, Meinungen, Themen, Lebensbereiche sowie gesellschaftliche und wirtschaftliche Kräfte. Manche stehen allein, andere verbinden sich zu Ketten oder verdichten sich zu großen Massen. Dazwischen öffnen sich freie, noch unbestimmte Räume.
Hell und Dunkel, Licht und Schatten, Enge und Freiheit begegnen einander und beginnen zu verschwimmen. Nichts scheint endgültig festgeschrieben.
Das Werk entstand aus der Unsicherheit darüber, wie sich unsere Welt verändert – und aus der Frage, welche Haltung ich meinen Kindern für diese Welt mitgeben kann. Es lädt dazu ein, Abstand zu gewinnen und die Perspektive zu wechseln: nicht jede einzelne Bewegung mitzuschwimmen, sondern Zusammenhänge zu erkennen und beweglich zu bleiben.
Die Unsicherheit verschwindet dadurch nicht. Aber vielleicht entsteht Souveränität inmitten der Unsicherheit.
Die Geschichte hinter dem Werk
Was geschieht gerade mit unserer Welt?
Diese Frage steht am Anfang von Neuordnung der Welt. Nicht aus Angst, sondern aus Unsicherheit. Ich habe vier Kinder in diese Welt gesetzt – und merke, dass ich ihnen selbst nicht mehr wirklich erklären kann, was gerade passiert, wohin sich die Dinge bewegen und welche Ordnung morgen noch gelten wird.
Unzählige kleine Kreise bevölkern das Papier. Für mich können sie Menschen sein, Meinungen, Themen, Lebensbereiche, gesellschaftliche oder wirtschaftliche Kräfte. Manche stehen allein. Andere verbinden sich zu Ketten. Wieder andere verdichten sich zu großen, beinahe undurchdringlichen Massen. Dazwischen liegen offene Flächen, Bewegungen und noch unbesetzte Räume.
Nichts scheint endgültig festgeschrieben. Strukturen verschieben sich, Grenzen lösen sich auf, Bereiche greifen ineinander. Es gibt Enge und Weite, Verdichtung und Freiheit, Sicherheit und Ungewissheit. Helles steht neben Dunklem, Licht neben Schatten, das Gute neben dem Bösen. Denkt man sich das Bild als Ausschnitt einer Kugel, könnten es ebenso Tag und Nacht sein.
Doch die Gegensätze bleiben nicht sauber voneinander getrennt. Sie berühren sich, verschieben sich, verschwimmen. Alles ist in Bewegung. Genau darin liegt für mich etwas sehr Gegenwärtiges: Flexibilität, Agilität und Beweglichkeit – aber auch die Schwierigkeit, innerhalb permanenter Veränderung Orientierung zu finden.
Neuordnung der Welt versucht deshalb nicht, Ordnung herzustellen oder eine Antwort zu geben. Das Werk lädt vielmehr dazu ein, die Perspektive zu wechseln.
Aus unmittelbarer Nähe sieht man einzelne Kreise, Verbindungen, Abgrenzungen und Verdichtungen. Man befindet sich mitten im Geschehen. Mit zunehmendem Abstand verändert sich der Blick. Einzelheiten treten zurück, Bewegungen werden sichtbar, Zusammenhänge entstehen.
Vielleicht brauchen wir genau diese Flughöhe: nicht im Froschteich jeder einzelnen Bewegung mitzuschwimmen, sondern gedanklich für einen Moment in einen Hubschrauber zu steigen und von oben zu beobachten. Was bewegt sich? Was verbindet sich? Was löst sich? Wo entsteht Enge? Und wo öffnet sich plötzlich neuer Raum?
Das ist auch das, was ich versuche, meinen Kindern mitzugeben. Ich kann ihnen nicht erklären, wie die Welt von morgen aussehen wird. Ich kann ihnen keine Gewissheit geben, die ich selbst nicht habe. Aber ich kann versuchen, ihnen eine Haltung mitzugeben: beobachten, die Perspektive wechseln, Zusammenhänge suchen, beweglich bleiben und sich nicht von jeder einzelnen Bewegung mitreißen lassen.
Die Unsicherheit verschwindet dadurch nicht. Aber vielleicht entsteht etwas anderes: Souveränität inmitten der Unsicherheit.
Text © Friederike von Corratio · Fragen zu diesem Werk: Kontakt