Ich gestalte / Ausstellungsraum / Die Rolle meines Lebens

Visualisierung der geplanten Installation. Das Projekt ist in Entwicklung.
Die Rolle meines Lebens
Objekt aus Pappe und Draht; Rauminstallation mit Goldfolie
Unikat
Die Rolle meines Lebens entstand 2024 aus der Frage, wie ich mich selbst besser beschützen kann – und aus dem Entsetzen darüber, wie viele seelische Narben ein Leben hinterlassen kann.
Die Pappe steht für den alternden, gezeichneten Körper. Die äußere, aber auch die mentale Haut eines Menschen ist leicht verletzbar – so leicht, wie Pappe verletzt werden kann. Hier und da schimmern die Farben von innen durch – je nach Situation, je nach Perspektive. Der Draht steht für die Werte, die Halt geben und zusammenhalten. Eine Naht verbindet Außen und Innen. In ihr schimmert bereits Gold.
Das Werk steht allein in einem sechs bis acht Meter langen, vollständig mit Goldfolie ausgekleideten und hell ausgeleuchteten Raum. Wer ihn betritt, sieht zunächst eine funkelnde, vermeintlich perfekte Welt. Am anderen Ende steht die Rolle. Man muss auf sie zugehen.
Inmitten all dieses Goldes wirkt die verletzte Pappe zunächst wie ein krasser Gegensatz. Doch wer nah genug herankommt und von oben in die Rolle hineinsieht, entdeckt: Auch innen ist Gold. Warm, farbig, leuchtend und unversehrt.
Der Gegensatz ist nur vermeintlich.
Das Gold ist außen. Und das Gold ist innen.
Die äußeren Narben erzählen niemals die ganze Geschichte. Man muss schon reinschauen wollen.
Die Geschichte hinter dem Werk
Die Rolle meines Lebens entstand 2024 aus einer Frage: Wie kann ich mich selbst besser beschützen?
Dahinter standen weitere Fragen: Wer bin ich eigentlich? Welche Rollen habe ich in meinem Leben? Und was haben all diese Rollen und all das Erlebte mit mir gemacht?
Das Werk entstand aus dem Entsetzen über eine eigene Erkenntnis: darüber, wie viele seelische Narben ein Mensch im Laufe seines Lebens davontragen kann. Narben, die Teil der eigenen Geschichte geworden sind und die – zumindest für einen selbst – auch nach außen sichtbar erscheinen.
Die Rolle besteht aus Pappe. Sie symbolisiert den alternden Körper: nicht glatt, nicht makellos, sondern gezeichnet, verletzlich und an manchen Stellen brüchig.Die äußere, aber auch die mentale Haut eines Menschen ist leicht verletzbar – so leicht, wie Pappe verletzt werden kann. Hier und da schimmern die Farben von innen durch – je nach Situation, je nach Perspektive. Zusammengehalten wird sie von Draht. Der Draht steht für die Werte im Leben. Für das, was Halt gibt und zusammenhält.
Durch das Äußere zieht sich eine Naht, in der immer wieder ein wenig Gold sichtbar wird. Sie verbindet das Äußere mit dem Inneren. Sie ist der Zugang – und gleichzeitig Ausdruck von Misstrauen. Denn das Innere offenbart sich nicht sofort.
Man muss schon reinschauen wollen.
Und genau deshalb gehört zur Rolle meines Lebens zwingend der Raum, in dem sie steht.
Die Installation befindet sich in einem eigenen, etwa sechs bis acht Meter langen Raum. Wände und Raum sind mit glänzender Goldfolie ausgekleidet und so beleuchtet, dass das Gold funkelt, reflektiert und beinahe überwältigt. Wer den Raum betritt, blickt zunächst in eine vermeintlich perfekte Welt: kostbar, leuchtend, verheißungsvoll. Eine Welt von außen, die Schönheit, Wert und vielleicht sogar Vollkommenheit verspricht.
Am anderen Ende steht auf einer Säule Die Rolle meines Lebens.
Man muss auf sie zugehen.
Je näher man kommt, desto deutlicher wird der vermeintlich krasse Gegensatz: Inmitten dieser funkelnden, perfekten Außenwelt steht etwas Unperfektes. Pappe. Draht. Nähte. Verletzungen. Spuren. Ein Körper, dem das Leben anzusehen ist.
Und diese eine Rolle könnte für viele stehen. Vielleicht könnten dort auch viele andere Rollen stehen – jede anders gezeichnet, jede mit ihrer eigenen Geschichte.
Doch der Gegensatz zwischen Raum und Objekt täuscht.
Denn wer schließlich nah genug herangekommen ist und bereit ist, von oben, vom Kopf aus, in die Rolle hineinzusehen, entdeckt dort genau das, was den gesamten Raum umgibt: Gold.
Das Innere ist warm, farbig, abwechslungsreich und leuchtend. Es ist kostbar. Und trotz aller sichtbaren Verletzungen des Äußeren ist es unversehrt.
Plötzlich verändert sich damit auch der goldene Raum. Das Gold ist nicht mehr nur die glänzende Welt draußen, die so viel verspricht und so perfekt erscheint. Es findet seine Entsprechung im Innersten der Rolle.
Der vermeintliche Gegensatz löst sich auf.
Das Gold ist außen. Und das Gold ist innen.
Die Naht verbindet diese beiden Welten. Sie lässt bereits von außen etwas davon erahnen, ohne alles preiszugeben.
Vielleicht liegt darin auch die Antwort auf die ursprüngliche Frage nach dem Selbstschutz: Das Kostbarste muss nicht für jeden sofort sichtbar sein. Es darf geschützt sein. Man darf entscheiden, wen man nah genug herankommen lässt.
Aber die Narben an der Außenseite erzählen nicht die ganze Geschichte eines Menschen.
Wer wirklich wissen will, was in ihm steckt, muss bereit sein, näher zu kommen und hineinzusehen.
Text © Friederike von Corratio · Fragen zu diesem Werk: Kontakt