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100 Himmel, Visualisierung der geplanten Installation: hundert Himmelsfotografien in fünf Reihen an einer langen weißen Wand

Visualisierung der geplanten Installation. Das Projekt ist in Entwicklung.

100 Himmel

Fotografie 2015–2026
Fotografische Rauminstallation, 100 Fotografien auf Leinwand
je ca. 120 × 80 cm, Gesamtmaß ca. 27,80 × 4,80 m

Seit 2015 sammle ich Himmel. Über elf Jahre sind hundert Aufnahmen an ganz unterschiedlichen Orten der Welt entstanden, bei Tag und bei Nacht, mit Sonne und Mond, mit Wolken und ohne. Keiner ist wie der andere. Und doch zeigen alle dasselbe: den Himmel.

Hundert Menschen können in denselben Himmel schauen und etwas anderes sehen. Und nichts davon macht den anderen Himmel falsch. Perspektiven funktionieren nicht nach Mehrheitsentscheid.

„100 Himmel“ ist als Rauminstallation gedacht: Hundert Fotografien auf Leinwand, jeweils ca. 120 × 80 cm, angeordnet in fünf Reihen mit je zwanzig Arbeiten. Außerdem soll ein Begleit-/Geschenkbuch realisiert werden.

Für die Realisierung der Installation suchen wir einen Ort und Partner. Das Buch „100 Himmel“ existiert bisher als Prototyp.

Die Geschichte hinter dem Werk

Seit 2015 sammle ich Himmel.

Ich war eigentlich schon immer eine Himmelsguckerin. Mein Blick geht nach oben, wenn sich das Licht verändert, wenn Wolken aufziehen, wenn der Himmel plötzlich eine Farbe annimmt, die beinahe unwirklich erscheint. Ich fotografiere ihn bei Tag und bei Nacht, mit Sonne und Mond, mit Wolken und ohne. Manchmal gibt es im Bild etwas, das Orientierung bietet: einen Baum, eine Bergkette, einen Horizont. Manchmal fehlt jeder Anhaltspunkt. Dann bleibt nur Himmel.

Über elf Jahre sind diese Aufnahmen an ganz unterschiedlichen Orten der Welt entstanden. Auf Reisen, unterwegs und im Alltag. In unterschiedlichen Ländern, zu unterschiedlichen Jahres- und Tageszeiten und aus immer neuen Blickwinkeln. Hundert Augenblicke. Hundert Ausschnitte. Hundert Himmel.

Keiner ist wie der andere. Und doch zeigen alle dasselbe: den Himmel.

2026, im Jahr der Vollendung des Werkes, bekam diese über viele Jahre gewachsene Sammlung für mich noch einmal eine andere Bedeutung. In einem Gespräch mit meinem ältesten Sohn, inzwischen zwanzig Jahre alt, tauchte ein Thema auf, das uns schon häufiger beschäftigt hatte. Er sprach von seiner Wahrnehmung und der seiner Geschwister. Ich sagte:

„Ja, das kann sein. Aber meine Sicht ist eine andere.“

Seine Antwort darauf ist sinngemäß immer wieder dieselbe: „Aber wir sind mehr. Deshalb haben wir recht.“

„100 Himmel“ ist ein Werk, inspiriert von meinen Kindern.

Denn hundert Menschen können in denselben Himmel schauen und etwas anderes sehen. Einer sieht eine Wolke. Eine andere erkennt darin eine Welle, ein Ohr oder einen Wattebausch. Einer sieht heraufziehendes Unwetter, eine andere ein faszinierendes Licht. Manchmal ist der Himmel blau, manchmal gleißend hell, manchmal dramatisch, dunkel oder voller Farben. Der Mond kann darin stehen oder die Sonne. Es kann Tag sein oder Nacht.

Und nichts davon macht den anderen Himmel falsch.

Perspektiven funktionieren nicht nach Mehrheitsentscheid. Eine Wahrnehmung wird nicht wahrer, weil mehr Menschen sie teilen. Und eine andere wird nicht unwahrer, weil nur ein einzelner Mensch sie hat.

Jede Perspektive entsteht von einem bestimmten Standpunkt aus. Sie hat ihre eigene Geschichte. Erfahrungen, Erinnerungen, Gefühle, Wissen und Erwartungen bestimmen mit, was wir sehen, worauf wir achten und was wir darin erkennen. Wir können nebeneinanderstehen, auf dasselbe schauen – und dennoch etwas Unterschiedliches wahrnehmen.

Genau deshalb besteht „100 Himmel“ nicht aus einem Himmel, der für alle stehen soll, sondern aus hundert.

Die Installation

Die hundert Fotografien werden als großformatige Leinwände von jeweils etwa 120 × 80 Zentimetern präsentiert. In fünf Reihen zu je zwanzig Arbeiten bilden sie eine monumentale Fläche von annähernd 28 Metern Breite und 4,80 Metern Höhe. Zwischen den einzelnen Himmeln bleiben jeweils etwa 20 Zentimeter Abstand.

Diese Zwischenräume sind wesentlich. Die hundert Fotografien verschmelzen nicht zu einem einzigen Bild. Jede darf für sich stehen. Gleichzeitig bleiben sie miteinander verbunden und werden aus der Entfernung als ein großes Ganzes wahrgenommen.

Die Installation beginnt erst in einer Höhe von etwa 1,50 Metern und steigt bis auf etwa 6,30 Meter an. Damit verändert sich auch die körperliche Haltung der Betrachtenden: Wer das Werk vollständig erfassen will, muss Abstand nehmen. Wer sich ihm nähert, muss den Blick heben.

Man wird selbst zum Himmelsgucker.

Aus der Ferne erscheinen die hundert Arbeiten als gewaltiges gemeinsames Feld. Je näher man kommt, desto stärker löst sich dieses Ganze wieder in einzelne Himmel auf. Man kann sich einem Bild zuwenden, weitergehen, vergleichen, zurücktreten, den Blick schweifen lassen. Die eigene Position verändert, was man wahrnimmt.

Damit wiederholt die räumliche Erfahrung des Werkes seinen Inhalt: Es hängt davon ab, wo wir stehen und wohin wir schauen.

„100 Himmel“ ist kein Werk darüber, wer recht hat.

Es ist ein Werk über die Freiheit des Sehens. Über die Möglichkeit, Verschiedenheit auszuhalten, ohne sie auflösen zu müssen. Über hundert Perspektiven, die nebeneinander bestehen können, ohne dass eine von ihnen die andere widerlegt.

Vielleicht liegt darin eine unserer schwierigsten menschlichen Aufgaben: die Perspektive eines anderen stehen lassen zu können, ohne die eigene dafür aufgeben zu müssen.

Hundert Himmel. Hundert Augenblicke. Hundert Perspektiven.

Und keine Abstimmung darüber, welcher davon der richtige ist.

Was siehst du von dort, wo du gerade stehst? Und welcher Himmel ist Dein liebster?

Text © Friederike von Corratio · Fragen zu diesem Werk: Kontakt

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